Samstag, 22. März 2025

»Das Schloss« Erzähltechnik

Kafkas Roman »Das Schloss« zeichnet sich durch eine extrem verdichtete Atmosphäre aus, in der Ort und die Handlung innerhalb von sieben Tagen beschrieben werden.

Ähnlich wie in »Der Prozess« wird der Roman im auktorialen Stil erzählt, die Handlung findet nur in K.s Präsenz statt, so dass man gezwungen wird, die Geschehnisse durch K.s Augen zu sehen und der Leser bekommt fast alles aus der Sicht K.s - inklusive seiner Gefühle - geschildert.

Von Bedeutung ist hier, daß die ersten Kapitel des handschriftlichen Manuskripts in der ersten Person verfasst und später von Kafka zu einem Erzähler der dritten Person, "K." genannt, geändert wurden.

Jedoch kommt es an einigen Stellen zu kleinen Distanzierungen des Lesers von K., so dass diesem ermöglicht wird, sich eigene Interpretationen zu schaffen. Dadurch wird verhindert, dass man bei jeder Situation von der manchmal fragwürdigen Wahrnehmung K.s beeinflusst wird.

Nach dem Eintreffen des Landvermessers verzweigt sich die Handlung in Dialoge. Was mit der nächtlichen Ankunft des Helden einsetzt, wird bald zu einer wahren Dialoghöhle, zu einem Labyrinth der Erzählungen, Deutungen, Verhöre, der Familienmythen und Legenden.

Kafka entwickelt den Roman szenisch, d.h. wie im Theater treffen die Personen an einzelnen Schauplätzen aufeinander, wo sich dann meist lange Dialoge entwickeln: Gasthöfe, Schule, Stube des Barnabas usw.

Die Dialoge im Roman »Das Schloss« sind von zentraler Bedeutung, da sie den Großteil des Textes, ja sogar ganze Kapitel bilden. Dort vollzieht sich auch das Gros der Handlung, so dass sich hier die Erzählstruktur mit ihren Verschachtelungen, Paradoxien und Verkehrungen offenbart. Die Dialoge zeigen, dass es immer verschiedene Sichtweisen auf menschliche Verhaltensweisen gibt. Keiner hat allein recht.

Perspektivisch wird so etwa die Figur der Frieda nach und nach inhaltsvoller und geformt, indem sie beleuchtet wird aus der Sicht der Wirtin, dann der Konkurrentin Pepi, aus der Sicht des verlassenen und mächtigen Liebhabers Klamms und aus dem Blickwinkel K's. Jeder erzählt etwas anderes über Frieda - und jeder hat recht.

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Der Aufbau des Romans variiert etwas je nach der Fassung, um die es sich jeweils handelt. Die Brod-Fassung unterteilt in zwanzig unbetitelte Kapitel. Nur das fünfzehnte Kapitel, das die Verhältnisse der Familie des Barnabas schildert, ist in sich untergliedert (Amalias Geheimnis/Amalias Strafe/Bittgänge/Olgas Pläne). Die Pasley-Ausgabe unterteilt in 25 Kapitel, wovon 19 betitelt wurden.

Das Ende des Romans ist Fragment geblieben, denn Kafka ist nicht mehr dazu gekommen, das Werk zu vollenden. Im Unterschied zu dem Roman »Der Prozess« bricht der Roman unvermittelt und ohne Ende ab. Max Brod hat aber von Kafka aus persönlichen Erzählungen erfahren, wie das Schlusskapitel gedacht war, denn am siebten Tag wäre K. an Erschöpfung gestorben. Ein Erlass wäre noch von oben gekommen, dass K. keinen Rechtsanspruch habe, im Dorf zu wohnen, daß ihm aber dennoch mit Rücksicht auf gewisse Nebenumstände gestattet würde, hier zu wohnen und zu arbeiten.

Max Brod (1884–1968), Herausgeber der Werke von Kafka, berichtet, daß es geplant war, den Roman mit K.s Tod enden zu lassen. Im gleichen Moment sollte dem Protagonisten vom Schloss die endgültige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erteilt werden.


Es gibt noch mehrere Einzelpassagen und gestrichene Stellen aus dem Roman, so eine Passage über die Begegnung mit dem Fuhrmann Gerstäcker bzw. mit dessen Mutter. Die Schilderung des Gesprächs mit der Mutter Gerstäckers bricht mitten im Satz ab und stellt das Ende des Romanfragments dar - in der Fassung Pasley. Hier ist eine Stube von Herdfeuer beleuchtet, darin die Mutter: „Sie reichte K. die zitternde Hand und ließ ihn neben sich niedersetzen […]“


Rezension:



»Das Schloss« von Franz Kafka - Rezension







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